Handball: Deutsch-Französischer Austausch erfolgreich gestartet
03.11.2011 - Kategorie: Handball
Der Anfang ist gemacht: Nach über 1 ½ -jähriger Vorbereitung waren 17 Jugend-Handballerinnen und –handballer der SG MTVD Köln im Rahmen des deutsch-französischen Jugendaustauschs vom 22. bis 27. Oktober zu Gast bei unserem französischen Partnerverein RC Doué Handball.
Am Samstagmorgen traf unsere Kölner Delegation leicht übernächtigt in Doué-la-Fontaine, einem 8.000-Einwohnerstädtchen im Departement Maine et Loire, ein. Die Organisatoren unseres Partnervereins RC Doué Handball hatten ein gemeinsames „Petit Dejeuner“ vorbereitet. Anschließend ging es zunächst in die Gastfamilien, wo erst mal Ausruhen und Mittagessen angesagt war. Am Nachmittag stand der gemeinsame Besuch von Meisterschaftsspielen unsere Gastgeber an. Sowohl die französischen Jungen als auch die Mädchen des RC Doué hatten an diesem Tag noch ein Ligaspiel zu absolvieren. Trotz lautstarker Unterstützung mussten jedoch beide Teams Niederlagen hinnehmen. Den Abend verbrachten unsere Jugendlichen dann wieder in den Familien. Am Sonntagvormittag trafen sich die Jugendlichen wieder in der Sporthalle, wo Kennenlernspiele und Sprachanimation auf dem Programm standen. Dem folgte eine Einladung zu einem Mittagessen der etwas anderen Art. Bei fast sommerlichen Temperaturen traf man sich im Garten einer französischen Familie, um dort im Holzofen gebackene Brote mit Füllung, eine Spezialität der Region, zu probieren. Zum Nachtisch wurde Sprühsahne gereicht („Schnick-Schnack-Schnuck“), die Insidern zufolge jedoch nur besonders wichtigen Personen vorbehalten war… Während die Jugendlichen sich danach zum Bowling aufmachten, war für die Betreuerinnen und Betreuer eine Besichtigung der regionalen Wein- und Sektkellerei Bouvet-Ladubay organisiert. Sportlich wurde es dann am Montagvormittag. Erstmals trafen sich die Handballerinnen und Handballer zum Training in zwei verschiedenen Sporthallen. Während die Mädchen aufgrund der geringeren Teilnehmerzahl direkt zusammen trainierten, wurden die ersten Einheiten der Jungs separat durchgeführt. Gestärkt durch das anschließende Mittagessen machte sich die Gruppe dann auf den Weg zum Bioparc Doué-la-Fontaine, der meist besuchten Attraktion der Region.
Ein volles Programm stand am Dienstag auf der Agenda. Zunächst traf man sich zum Training in der Sporthalle, wobei diesmal die französischen Jugendlichen vom deutschen Trainer und die deutschen Jugendlichen vom französischen Trainer betreut wurden. Trotz gelegentlicher Verständigungsschwierigkeiten – was heißt eigentlich „Sperre-Absetzen“ auf Französisch? – sicher für alle Beteiligten eine neue und positive Erfahrung. Unterirdisch begann im wahrsten Sinne des Wortes dann der Nachmittag. Es ging zur Besichtigung des Chateau de Brézé, eines Schlosses unter einem Schloss. In einer deutschsprachigen Führung wurden die Besonderheiten des in Höhlen gebauten Schlosses unter der Erde erläutert. Am Abend dann endlich die Handballspiele. Da ein Vergleich zwischen französischen und deutschen Mädchen mangels Masse nicht möglich war, trat man kurzerhand gemeinsam als Team gegen den Verein Lac de Maine aus Angers an. Dabei tat die Verstärkung durch unsere Mädchen den Handballerinnen des RC Doué sehr gut, denn im Gegensatz zum deutlich verlorenen Meisterschaftsspiel gegen das gleiche Team wurde diese Partie nur knapp verloren. Man hatte den Eindruck, dass Französinnen und Deutsche sehr gut harmonierten, jedenfalls hatten die Mädchen eine Menge Spaß auf dem Spielfeld. Zudem brillierten die Jungen der SG durch lautstarke Unterstützung sowie eine perfekte Cheerleader-Choreo während des Team-Timeouts. In ihrem anschließenden Spiel gegen den RC Doué Handball mussten unsere Jungen hingegen zunächst kräftig Lehrgeld zahlen. Zwar wurde die SG durch einen Torwart der Franzosen verstärkt, da unser Nachwuchs leider keinen eigenen „im Gepäck“ hatte. Doch auch der konnte wenig gegen die Lawine ausrichten, die in Gestalt der physisch starken und schnell spielenden Jungs des RC Doué über unser Team hereinbrach. Hinzu kamen etliche technische Fehler, Fehlpässe und eine äußerst schlechte Torquote, so dass es mit 11 Toren Rückstand in die Pause ging. So wollte man sich dann doch nicht abschießen lassen, und in der zweiten Halbzeit entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel. Am Ende hieß es 40:30 für die französischen Gastgeber, die allerdings im Schnitt auch etwas älter als unsere Jungs waren.
Am Mittwochvormittag ging es mit Training in gemischten Gruppen weiter. Nachmittags wurde die Sportart gewechselt. Das „Centre Aquatique“ bot eine willkommene Abwechslung zum Hallensport. Dem folgte ein Ausflug in die regionale Sportart „Boule de Fort“, ein dem Pétanque nicht unähnliches Kugelspiel, welches jedoch in der Halle mit speziellen Kugeln und auf einer leicht Half-Pipe-ähnlichen Spielfläche gespielt wird. Die rasante Dynamik dieses Spiels erschloss sich der Altersgruppe unserer französischen und deutschen Jugendlichen möglicherweise nicht unbedingt…
Am Donnerstag, dem letzten Tag unseres Besuchs, stand wiederum Training in gemischten Gruppen an, bevor wir dann zum Empfang beim Bürgermeister von Doué-la-Fontaine eingeladen waren. Dem Mittagessen folgte ein letztes kulturelles Highlight, der Besuch zu den „Troglodytes de Rochemenier“, einem Dorf unter der Erde. Einen sehr schönen sportlichen Abschluss fand unsere „Tour de France“ in den abschließenden Handballspielen. Das deutsch-französische Mädchenteam traf auf den Club aus Saumur und ließ diesem beim 32:14 keine Chance. Eine torreiche Partie der Jungen folgte, in der „Les Gris“ (die Grauen) „Les Bleus“ (die Blauen) trotz 9-Tore-Halbzeit-Rückstands noch mit 35:34 besiegte. Ein letztes, gemeinsames Abendessen in der Sporthalle, dann folgte der Abschied, bei dem so manche Träne floss. Ein besonderes Highlight gab’s als Zugabe auf der Rückfahrt: Günter, unser „Chauffeur de Car“, machte mit uns kurzerhand eine kleine Sightseeing-Tour durch Paris – mitten in der Nacht ein ganz besonderes Erlebnis!
Fazit: Eine gelungene Premiere unseres Austauschs! Wir sind von unseren Freunden des RC Doué Handball sehr herzlich aufgenommen worden und haben viele positive Eindrücke mitgenommen. Neben dem „Offiziellen Teil“ haben gemeinsame Aktivitäten der Jugendlichen in kleineren Gruppen das Programm abgerundet, und auch für die Erwachsenen haben sich unsere Gastgeber einiges einfallen lassen. Die Zeit verging unglaublich schnell. Uns als Betreuern hat es sehr viel Spaß gemacht und von den Jugendlichen haben wir bisher ein sehr positives Feedback erhalten. Nun wird mit einem Teilnehmerfragebogen die Fahrt nach Doué-la-Fontaine genauer ausgewertet, um den Gegenbesuch der französischen Jugendlichen in den Osterferien 2012 vorzubereiten.
An dieser Stelle möchte ein dickes „Dankeschön“ loswerden: An Christine Rüben und Thorsten Dolinski fürs Mitfahren und Betreuen der Jugendlichen, an unseren Busfahrer Günter („Il dort, il boit, il mange“ – Insider wissen was gemeint ist…), an 17 Jugend-Handballerinnen und –Handballer, die wie ich finde, unseren Verein und unsere Stadt würdig repräsentiert haben, und last not least auch an Claudia Cordes und Jesco Krause, die bei der Vorbereitung der Fahrt sehr geholfen haben. HD
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